[muay thai story]

Geschichte des Muay Thai (Thaiboxen)

Thai boxing consists of the qualitites of obedience, genuine knowledge, courage, endurance, patience, compassion, gratitude and honesty. If any one of these qualities is missing, to use the words ‚Thai boxing‘ is to act against the genuine art.“ (Kraitus & Kraitus: Muay Thai. The most distinguished art of fighting)

A real boxer will never bully or intimidate anyone […] In order to be a distinguished boxer, it is imperative to look at and be aware of oneself […] One should know the weak points, important points or fatal spots.“ (Kimseng Taveesith – Boxing master during the reign of King rama VI)

[Muay Thai Style]

Muay Thai ist der Nationalsport Thailands und ein Vollkontaktsport. Es wird auch als „Kunst der acht Gliedmaßen“ bzw. „Kunst der acht Grundwaffen“ bezeichnet, da es acht verschiedene Körperteile gibt, die eingesetzt werden: Fäuste, Ellenbogen, Knie und Kicks mit den Beinen.

Früher war es auch möglich, Kopfnüsse zu verteilen, doch in der modernen Form ist dies verboten. Charakteristisch für Thaiboxen sind vor allem die Ellenbogen, die Knietechniken, die Kicks mit dem Schienbein (auf Oberschenkel, Rippen oder gegen den Kopf) und das Clinchen. Das Clinchen ist so nah, dass nur noch Ellenbogen und Kniestöße eingesetzt werden und sich die Thaiboxer*innen auf den Boden werfen dürfen. Knie zum Kopf sind in Deutschland nicht erlaubt.

Trainiert wird barfuß und mit Boxhandschuhen, teilweise auch mit weiterem Schutz. Es gibt im Thaiboxen nur eine Grundstellung, die für Links- und Rechtshänder*innen jeweils seitenverkehrt ist. Die Stellungsbreite der Beine ist circa schulterbreit und die Thaiboxer*in bewegt sich auf den Fußballen fort. Beim Laufen bleibt die Thaiboxer*in im Prinzip in dieser Stellung und überkreuzt die Beine nicht. Die Hände werden in Höhe des Gesichts bereit gehalten, um sich jederzeit decken oder angreifen zu können.

Alle Tritte, Schläge und die Abwehr werden mit der Atmung verbunden und sind mit einer Körper- bzw. Hüftdrehung verbunden, aus welcher der Impuls für die jeweilige Technik kommt. So ist es möglich, die Kraft des ganzen Körpers in den Schlag / Tritt zu legen. Es ist wichtig, zuerst die korrekte Ausführung der Bewegungen zu erlernen. Erst wenn diese Technik richtig angewendet werden kann, werden Kraft und Geschwindigkeit eingesetzt. Dementsprechend besteht das Training für Anfänger*innen in Thailand zunächst aus jahrelangem Sandsack-Training bevor mit Partner*innen trainiert wird.

Im Muay Thai werden Fähigkeiten wie genaue Bewegungen, exakte Ausführung, Schnelligkeit, Reflexe, Reaktionsvermögen, Umstellungsvermögen, Koordination, Gleichgewicht, Ausdauer, Kraftausdauer, Beweglichkeit, Rhythmus, Entscheidungswillen, Umgang mit Angst, Umgang mit Schmerz und der richtige Einsatz der Atmung geschult.

Fortgeschrittene Thaiboxer*innen trainieren auch den Freikampf, das Sparring. Dabei wird eine Schutzausrüstung aus Schienbeinschützern, Knieschützern, ggf. Tiefschutz bzw. Brustschutz, Ellenbogenschützern, Handschuhen, Zahnschutz und ggf. Kopfschutz getragen, um größere Verletzungen zu vermeiden. Das Sparring bereitet auf Wettkampfsituationen vor, kann aber auch zu Trainingszwecken an sich geübt werden.

[Muay Thai Geschichte]

Muay Thai hat sich über mindestens 2000 Jahre aus traditionellen Kampfkünsten des asiatischen Raumes entwickelt und ist verbunden mit der Völkerwanderung der Thai („Die Freien“) ab dem 12. Jahrhundert ins heutige Thailand. Es wird angenommen, dass sich die Thais gegen die benachbarten Stämme gewehrt haben und Muay Thai schon lange Teil des militärischen Trainings war. Der Körper wurde zum Kämpfen eingesetzt, wenn Waffen wie z.B. Schwerter und Speere nicht mehr benutzt werden konnten.

Gesicherte Aussagen über die genaue Herkunft des Muay Thai können nicht getroffen werden, da viele Belege während des Krieges in Ayuthaya 1767 in der Staatsbibliothek verbrannt sind. In Stein gemeißelte Aufzeichnungen aus dem Jahr 1219 zeugen von den Kriegskünsten der Thais gegen Kambodscha. Es gab im Laufe der Jahrhunderte mehrere regierende Könige, die sich für die Entwicklung der Kriegskünste eingesetzt haben. Ab dem 17. Jahrhundert wurden Kämpfe zur Unterhaltung der Bevölkerung durchgeführt. Die antretenden Boxer hatten noch keine Boxhandschuhe an, sondern lediglich 5-Meter-lange Bandagen (Kard Cheurk) und Kokosnußschalen als Tiefschutz. Der Kampfplatz wurde mit einem Baumwollseil eingegrenzt. Die Kämpfenden trugen ihr Mong-kon und ihr Pra Jead (siehe unten). Die Kämpfe wurden damals durch Aufgeben oder durch K.O. (Knock Out) entschieden.

Das Training bestand damals u.a. aus Langstreckenlaufen, Schwimmen und Schläge & Tritte auf Baumstämme, um Fäuste und Beine zu stärken. Die Ernährung war größtenteils vegetarisch. Die Techniken aus dieser Zeit wurden über Generationen weitergegeben, verbessert und aus dem Kriegsbereich heraus zu dem Sport entwickelt, wie wir ihn heute kennen.

Ab 1921 gibt es den ersten Boxring, das heutige Standardmaß ist in der Innenfläche des Rings bei ca. 6 x 6 Metern. Es werden Kampfrichter*innen eingesetzt und der Sieg wird weiterhin durch K.O. oder Aufgeben entschieden. Die Kokosnußschale als Tiefschutz wird durch einen stabilen Schutz aus Baumwolle ersetzt. Erstmals werden die Runden mit einer Uhr gemessen. Zuvor wurde eine Kokosnussschale mit einem Loch verwendet und gewartet, bis diese in einem Wasserbehälter unterging – dies beendete die jeweilige Runde.

Heutzutage wird Muay Thai als Welterbe anerkannt. Es ist eine beliebte Sportart, die von den meisten Leuten im Westen aus rein sportlichen Gründen trainiert wird. In den letzten 50 Jahren wurden internationale Regeln für das Amateur Muay Thai festgelegt und verschiedene nationale als auch internationale Verbände gegründet.

[Wettkämpfe]

Thaiboxen als Wettkampfsport hat insbesondere ab 1921 an Bedeutung gewonnen, als unter König Rama VI das erste Stadium gebaut wurde. Die Kämpfenden trugen lediglich Bandagen, ab 1929 wird zum ersten Mal mit Boxhandschuhen gekämpft.

Vor dem Wettkampf gehen die Kämpfer*innen in den Ring, geschmückt mit einem Stirnband (Mong-kon) und jeweils einem Band an einem oder beiden Oberarmen (Pra Jead). Das Mong-kon wird traditionell handgefertigt und soll der oder dem Thaiboxer*in Glück und Schutz bringen. Das Pra Jaed war ursprünglich ein Stück Stoff, das von der Kleidung (meist aus dem Sarung) der Mutter abgerissen wurde und je nach Ziel der Kämpfer*in von einem Mönch mit einem Gebet versehen wurde, z.B. für bessere Abwehr oder Schnelligkeit, oder auch einfach, um Glück zu bringen und zu schützen.

Im Ring wird das Publikum begrüßt und dann ein Ritual vorgeführt, das nach einem Tanz aussieht. Zu Beginn des sogenannten „Wai Khruu“wird der Trainerin oder dem Trainer Respekt und Dankbarkeit gezollt für die Vermittlung des Thaiboxens. Auch den Eltern wird dafür gedankt, das Leben geschenkt bekommen zu haben. Wai Khruu heißt übersetzt ungefähr „die Angst aus dem Herzen verjagen“. Mit diesem Tanz bereitet sich die Thaiboxer*in auf den bevorstehenden Wettkampf vor. Vor dem Kampfbeginn werden das Mong-kon und das Pra Jead abgenommen. Anhand der Stile von Wai Khruu und Mong-kon konnte das Publikum traditionellerweise erkennen, aus welcher Region die kämpfenden Person kommt. Heutzutage ist dies nicht mehr möglich.

Es wird eine Thaibox-spezifische Musik gespielt, die Sarama (bzw. Wong Pee Glong), die den Wai Khruu, aber auch den Kampf an sich rhythmisch begleitet. In Thailand wird die Sarama von einem Live-Orchester aus vier Musiker*innen mit zwei Flöten und zwei Thai Trommeln gespielt. Live können sie auf die Kampfatmosphäre eingehen und schneller und lauter spielen, wenn der Kampf gegen Ende intensiver wird. In großen Stadien wird die Musik über Lautsprecher abgespielt. Die Kämpfe sind jeweils 2-5 Runden á 2-3 Minuten lang – je nach Liga.

Thaiboxer*innen sind in Thailand geachtete und geehrte Idole, ähnlich den Fußballspieler*innen im Westen. Die Kämpfer*innen haben individuelle Spitznamen, die sie nach ihrem ersten Kampf von ihrer Trainer*in bekommen. Der Name gibt einen Hinweis auf die Eigenart der Thaiboxer*in (z.B. auf die Schnelligkeit) und hat einen Bezug zum Gym, in dem sie oder er trainiert.

In Thailand ist Thaiboxen so beliebt, dass die Wettkämpfe mehrmals pro Woche live im Fernsehen übertragen werden. Sehr verbreitet ist es, einen Wetteinsatz auf die Kämpfer*innen zu bieten und um so mehr mitzufiebern, wer gewinnt. Die antretenden Thaiboxer*innen bekommen einen Teil des Wetteinsatzes. In vielen Familien werden die Jüngsten von klein auf in Thaiboxen trainiert. Da auch bei Kinderkämpfen Wetten abgeschlossen werden, sind diese oft schon als Kinder und Jugendliche dafür mit-verantwortlich, mit ihren Kämpfen für einen Teil des Familieneinkommens zu sorgen. Es ist nicht selten, dass sie ihre Karriere im Alter von ca. 20 Jahren beenden und dann in einem Gym arbeiten, in dem Thaiboxer*innen aus dem Westen zum Training hinkommen.

[Quellen]
Panya Kraitus, Dr. Pitisuk Kraitus: Muay Thai. The most dinstinguished art of Fighting

Homepage des Muay Thai Bund Deutschland: https://mtbd.de

https://de.wikipedia.org/wiki/Muay_Thai

https://fightrr.com/muay-thai/why-do-muay-thai-fighters-wear-armbands

In feministischen Kreisen hat Muay Thai (sowie auch andere Kampfsportarten) in den letzten Jahren große Beliebtheit gewonnen. Ein schöner „Nebeneffekt“ von Thaiboxen ist, dass sich das Körperbewusstsein deutlich verbessert und sich der Sport somit positiv auf ein selbstbewussteres Auftreten auswirken kann. Schon in den 80er Jahren gab es einige selbstorganisierte Gruppen und in den letzten Jahren sind viele professionell angeleitete feministische Gruppen im Rahmen diverser Vereine entstanden.

Seit 2012 gibt es jährlich ein selbst organisiertes Thaibox-Camp in Niedersachsen, sowie alle 1-2 Jahre ein feministisches Sparringstreffen für FLTI* (FrauenLesbenTransInter) in Berlin.